
Währungsrisiken entstehen nicht nur bei Zahlungen in Fremdwährungen.
Wechselkursveränderungen können auch Bilanzpositionen und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens beeinflussen.
Für die Einordnung lassen sich drei wesentliche Formen unterscheiden:
Das Transaktionsrisiko entsteht bei zukünftigen Ein- oder Auszahlungen in einer Fremdwährung.
Ein Schweizer Unternehmen kauft beispielsweise Waren in Euro ein und verkauft diese in Schweizer Franken. Wird der Euro stärker, steigen die Einkaufskosten in Schweizer Franken.
Können diese Mehrkosten nicht oder nur verzögert an die Kunden weitergegeben werden, kann sich die Wechselkursbewegung direkt auf Marge, EBIT und Cashflow auswirken.
Das Transaktionsrisiko lässt sich vergleichsweise direkt quantifizieren. Deshalb steht es bei der operativen Währungssteuerung vieler KMU im Vordergrund.
Ein Schweizer Handelsunternehmen erwartet in den kommenden zwölf Monaten Euro-Zahlungen an seine Lieferanten. Gleichzeitig erzielt es einen kleineren Teil seiner Einnahmen ebenfalls in Euro.
Nach Verrechnung von Zu- und Abflüssen verbleibt ein Netto-Exposure. Steigt EUR/CHF, erhöht sich der CHF-Gegenwert der offenen Euro-Zahlungen. Das Unternehmen trägt damit ein direktes Transaktionsrisiko.
Wie sich Netto-Exposure und Ergebniswirkung berechnen lassen, zeigt der vertiefende Artikel.
Das Translationsrisiko entsteht bei der Umrechnung ausländischer Bilanz- und Erfolgsrechnungspositionen in die Berichtswährung eines Konzerns.
Ein Schweizer Unternehmen besitzt beispielsweise eine Tochtergesellschaft in den USA. Für den Konzernabschluss werden deren Bilanz und Ergebnis von US-Dollar in Schweizer Franken umgerechnet.
Wertet sich der Schweizer Franken gegenüber dem US-Dollar auf, fallen die in CHF ausgewiesenen Werte tiefer aus – auch wenn sich das operative Geschäft der Tochtergesellschaft nicht verändert hat.
Nicht zwingend.
Das Translationsrisiko betrifft zunächst die Umrechnung von Bilanz- und Erfolgsrechnungspositionen. Wechselkursbewegungen können dadurch die in Schweizer Franken ausgewiesenen Werte verändern, ohne dass unmittelbar eine Zahlung in Fremdwährung stattfindet.
Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zum Transaktionsrisiko.
Das ökonomische Währungsrisiko wirkt langfristiger.
Es entsteht durch den Einfluss des Wechselkurses auf:
Ein Unternehmen kann deshalb einem Währungsrisiko ausgesetzt sein, obwohl es selbst kaum direkte Fremdwährungstransaktionen tätigt.
Ein Schweizer Hersteller von Präzisionswerkzeugen fakturiert seine ausländischen Kunden ausschliesslich in Schweizer Franken.
Auf den ersten Blick besteht damit kein direktes Transaktionsrisiko auf der Verkaufsseite. Wertet sich der Franken jedoch auf, werden seine Produkte für ausländische Kunden teurer. Gleichzeitig können ausländische Wettbewerber preislich attraktiver werden.
Die stärkere Schweizer Währung kann damit Nachfrage und Wettbewerbsposition des Unternehmens beeinträchtigen, obwohl keine direkte Fremdwährungstransaktion stattfindet.
Die drei Risikoarten unterscheiden sich sowohl in ihrer Ursache als auch in ihrer Wirkung.
Für viele Schweizer KMU steht zunächst das Transaktionsrisiko im Vordergrund.
Es lässt sich vergleichsweise direkt über vier Fragen erfassen:
Aus diesen Informationen lassen sich Netto-Exposure und finanzielle Sensitivität bestimmen. Das bildet die Grundlage für weitere Entscheidungen zu Risikobudget, Hedge Ratio und Strategie.
Ein Unternehmen kann seine direkten Fremdwährungszahlungen gut steuern und trotzdem erheblich vom Wechselkurs abhängig bleiben. Das gilt insbesondere für Schweizer Exporteure.
Selbst wenn alle Rechnungen in Schweizer Franken gestellt werden, kann ein stärkerer Franken:
Eine CHF-Fakturierung eliminiert deshalb nicht automatisch das gesamte Währungsrisiko. Sie kann lediglich das direkte Transaktionsrisiko reduzieren oder verlagern.
Die drei Risikoarten erfordern unterschiedliche Betrachtungsweisen.
Ein Transaktionsrisiko lässt sich häufig direkt über Zahlungsströme erfassen und mit Absicherungsinstrumenten steuern. Ein Translationsrisiko betrifft die Konzernberichterstattung und Bilanzdarstellung. Ein ökonomisches Risiko ist stärker mit Geschäftsmodell, Preisgestaltung, Beschaffung und Wettbewerbsposition verbunden.
Bevor über eine Währungsstrategie gesprochen wird, sollte deshalb klar sein, welche Art von Risiko tatsächlich betrachtet wird.
Ja.
Ein Schweizer Industrieunternehmen mit einer Tochtergesellschaft im Ausland kann gleichzeitig:
Die drei Risikoarten schliessen sich nicht gegenseitig aus. Sie beschreiben unterschiedliche Ebenen desselben Themas.
Währungsrisiko ist mehr als die Frage, in welcher Währung ein Unternehmen bezahlt oder fakturiert.
Das Transaktionsrisiko entsteht aus konkreten Fremdwährungszahlungen. Das Translationsrisiko entsteht durch die Umrechnung ausländischer Bilanz- und Ergebnispositionen. Das ökonomische Währungsrisiko wirkt über Preise, Nachfrage, Kostenstruktur und Wettbewerbsfähigkeit.
Für die operative Steuerung vieler KMU steht zunächst das Transaktionsrisiko im Vordergrund. Für eine vollständige Einordnung sollten jedoch alle drei Formen berücksichtigt werden.
Der vollständige Entscheidungsprozess ist im Leitfaden zu Währungsrisiken für Schweizer KMU zusammengefasst.