
Ein Schweizer Importeur muss in sechs Monaten EUR 1 Mio. bezahlen. Er möchte sich gegen einen stärkeren Euro schützen und gleichzeitig von einem schwächeren EUR/CHF-Kurs profitieren. Eine gekaufte Vanilla Option ermöglicht genau diese Kombination – gegen eine vorher festgelegte Prämie.
Anders als beim Termingeschäft entsteht für den Käufer kein Zwang zur Ausübung. Dadurch bleibt er flexibel, wenn die benötigten Euro am Markt günstiger werden. Der Preis dieser Flexibilität ist die Optionsprämie. In unserem Beispiel lässt sich ihr Einfluss auf den effektiven Einkaufskurs genau berechnen.
Eine Vanilla Option ist eine klassische Option ohne zusätzliche Knock-in-/Knock-Out-Barrieren und ohne gehebelte Nominalbeträge. Sie gibt dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, eine bestimmte Währung zu einem festgelegten Kurs (Strike) zu kaufen oder zu verkaufen.
Für einen Schweizer EUR-Importeur ist eine gekaufte EUR-Call-/CHF-Put-Option relevant: Steigt EUR/CHF über den Strike, kann er die benötigten Euro zum vereinbarten Kurs beschaffen. Fällt EUR/CHF darunter, kann er den günstigeren Marktkurs nutzen. Die Prämie muss er in beiden Fällen bezahlen.
Bei einem EUR-Exporteur wäre die Absicherungsrichtung umgekehrt. Die ausführliche Unterscheidung erklärt unser Überblick über Devisenoptionen. Hier betrachten wir bewusst nur die gekaufte Vanilla Option zur EUR-Beschaffung.
Die Parameter stammen aus unserer illustrativen Produktrechnung. Die genannte Prämie ist keine aktuelle Bankofferte.
Das Unternehmen erwirbt das Recht, bei Verfall EUR 1 Mio. zu EUR/CHF 0.93 zu kaufen. Es zahlt dafür CHF 4’500 – also CHF 0.0045 pro Euro. Der Strike ist nicht mit den Gesamtkosten inklusive Prämie zu verwechseln.
Der Importeur übt die Option aus und kauft EUR 1 Mio. zu 0.93 für CHF 930’000. Einschliesslich CHF 4’500 Prämie betragen die Gesamtkosten CHF 934’500. Ein ungesicherter Marktkauf würde CHF 970’000 kosten. Der Vorteil der Absicherung beträgt CHF 35’500, nach Berücksichtigung der Prämie.
Die Option wird nicht ausgeübt. Das Unternehmen kauft die Euro am Markt für CHF 920’000. Einschliesslich Prämie ergeben sich CHF 924’500. Gegenüber dem ungesicherten Kauf entspricht die Differenz exakt der bezahlten Prämie von CHF 4’500.
Der Importeur profitiert weiterhin vom günstigeren Marktpreis und bezahlt CHF 880’000 für die Euro. Nach Prämie betragen die Gesamtkosten CHF 884’500. Anders als bei einem fixierten Termingeschäft bleibt die günstige Marktbewegung grundsätzlich nutzbar.
Wer nur den Strike 0.93 vergleicht, unterschätzt die wirtschaftlichen Kosten. Die Prämie muss auf den Nominalbetrag umgerechnet werden:
0.93 + (CHF 4’500 / EUR 1’000’000) = 0.9345.
Bei Ausübung beträgt der effektive Einkaufskurs in dieser vereinfachten Rechnung also EUR/CHF 0.9345. Derselbe Kurs ist der Break-even gegenüber einem ungesicherten Marktkauf bei Verfall: Oberhalb von 0.9345 übersteigt die Einsparung aus der Ausübung die bezahlte Prämie.
Die Prämie wird üblicherweise vor Verfall bezahlt; ihr Finanzierungs- beziehungsweise Zeitwert ist hier nicht eingerechnet. Auch Spreads und Bankmargen können eine Rolle spielen. Eine «günstige» Option lässt sich daher nicht anhand der Prämie allein beurteilen. Strike, Laufzeit, Volatilität, Zinsdifferenzen und Abwicklungsart müssen vergleichbar sein.
Eine ausschliesslich gekaufte Option ist besonders dann prüfenswert, wenn der Euro-Bedarf unsicher ist, beispielsweise bei einer Ausschreibung oder einem noch nicht definitiv vergebenen Projekt. Fällt das Grundgeschäft weg, kann der Käufer auf die Ausübung verzichten. Die Prämie bleibt allerdings angefallen.
Sie kann ebenfalls passen, wenn das Unternehmen eine harte Obergrenze für seinen EUR-Einkaufskurs festlegen, aber einen fallenden Euro weiter nutzen möchte. Das Prämienbudget muss dabei mit dem erwarteten Nutzen der Flexibilität vereinbar sein.
Weniger geeignet ist sie, wenn die Zahlung vollständig feststeht, die Prämie im Verhältnis zum Risiko hoch ausfällt und ein einfaches Termingeschäft das Ziel wirtschaftlich bereits erfüllt. Die Entscheidung sollte anhand der Risikofähigkeit und nicht anhand einer Kursprognose erfolgen.
Der Unterschied zum Devisentermingeschäft liegt vor allem in der fehlenden Ausübungspflicht. Ein Risk Reversal kann die anfängliche Netto-Prämie durch den Verkauf einer zweiten Option reduzieren. Dafür entstehen zusätzliche Verpflichtungen und eine Begrenzung der Partizipation. Der Produkttitel allein sagt daher noch nichts über die tatsächliche Risikowirkung aus.
Erstens: Decken Nominalbetrag und Ausübungsdatum den erwarteten Euro-Bedarf? Zweitens: Passt der effektive Schutzkurs inklusive Prämie zum Budget? Drittens: Wer überwacht Verfall, Ausübungsanweisung und Abwicklung? Bei Optionen kann die Vertragsdokumentation automatische Ausübungsregeln vorsehen.
Für die Einordnung in eine Gesamtstrategie helfen unsere Beiträge zur Absicherungsquote und zur Hedging-Policy.
Grundsätzlich nein. Der Käufer besitzt ein Recht. Die konkreten automatischen Ausübungs- und Abwicklungsregeln des Vertrags sind dennoch zu prüfen.
Bei einer ausschliesslich gekauften, vollständig bezahlten Option ist der Verlust aus der Optionsposition selbst grundsätzlich auf die Prämie begrenzt, vorbehaltlich zusätzlicher Kosten und Vertragsbedingungen. Das gesamte Unternehmen kann weiterhin anderen FX-Risiken ausgesetzt sein.
Nein. In unserem Beispiel liegt der Strike bei 0.93, der vereinfachte Break-even nach Berücksichtigung der Prämie dagegen bei 0.9345.
Die Vanilla Option bietet einem EUR-Importeur einen definierten Schutzkurs und die Möglichkeit, günstigere Marktpreise zu nutzen. Entscheidend ist der effektive Schutzkurs inklusive Prämie. Ob die Flexibilität ihren Preis wert ist, hängt vom Grundgeschäft und den Alternativen ab – nicht davon, ob sich eine bestimmte Kursprognose erfüllt. Für einen unabhängigen Vergleich der Instrumente bietet Alpinex ein FX-Assessment.