
Ein Schweizer Importeur möchte seine zukünftigen Euro-Einkäufe gegen einen steigenden EUR/CHF-Kurs absichern. Gleichzeitig möchte er von einem schwächeren Euro profitieren, ohne die volle Prämie einer klassischen Devisenoption bezahlen zu müssen.
Ein Participating Forward kann diese Ziele verbinden: Das Unternehmen erhält einen definierten Schutzkurs für den vereinbarten Fremdwährungsbetrag und beteiligt sich mit einem festgelegten Prozentsatz an günstigeren Wechselkursentwicklungen.
Im folgenden Beispiel beträgt diese Partizipation 50 %.
Entscheidend ist, dass vollständiger Schutz und hälftige Partizipation kein Widerspruch sind. Sie beschreiben die Wirkung des Produkts in unterschiedlichen Marktszenarien.
Ein Participating Forward ist ein strukturiertes Devisengeschäft, das einen Schutzkurs mit einer teilweisen Beteiligung an günstigen Wechselkursbewegungen kombiniert.
Für einen Schweizer EUR-Importeur kann die Funktionsweise wie folgt aussehen:
Bei einer Partizipation von 50 % beträgt der Anteil am günstigeren Marktkurs die Hälfte des vereinbarten Nominalbetrags.
Die genaue vertragliche Umsetzung kann unterschiedlich sein. Entscheidend ist das vereinbarte wirtschaftliche Auszahlungsprofil.
Ein Schweizer Importeur benötigt monatlich EUR 300’000 für Warenimporte.
Er vereinbart einen Participating Forward mit einem Strike von EUR/CHF 0.92 und einer Partizipation von 50 %.
Steigt EUR/CHF über 0.92, kann das Unternehmen seine gesamten EUR 300’000 zum vereinbarten Schutzkurs kaufen.
Fällt EUR/CHF unter 0.92, werden wirtschaftlich EUR 150’000 zum Strike von 0.92 und EUR 150’000 zum günstigeren Kassakurs abgerechnet.
Das Produkt schützt somit den gesamten vereinbarten Euro-Bedarf gegen steigende Kurse. Gleichzeitig profitiert der Importeur mit der Hälfte des Volumens von einem fallenden Euro.
Die Beispielkurse sind illustrativ und keine aktuellen Marktangebote.
Der Importeur kauft EUR 300’000 zum Schutzkurs von 0.92.
Die Kosten betragen CHF 276’000.
Ohne Absicherung müsste er bei EUR/CHF 0.96 insgesamt CHF 288’000 bezahlen.
Der Schutz führt in diesem Szenario zu einem Vorteil von CHF 12’000 gegenüber dem ungesicherten Marktkauf.
Die gesamte vereinbarte Euro-Menge ist gegen den ungünstigen Kursanstieg geschützt.
Bei einem Kurs von 0.90 kommt die hälftige Partizipation zum Tragen:
Die Gesamtkosten betragen CHF 273’000.
Der effektive durchschnittliche Einkaufskurs liegt damit bei 0.91.
Ein ungesicherter Marktkauf würde CHF 270’000 kosten. Gegenüber diesem beträgt die Mehrbelastung CHF 3’000.
Im Vergleich zu einer vollständigen Fixierung aller EUR 300’000 bei 0.92 ist der Participating Forward dagegen CHF 3’000 günstiger.
Der Euro wird noch günstiger.
Das Unternehmen kauft wirtschaftlich erneut die Hälfte des Volumens zum Strike und die andere Hälfte zum Kassakurs:
Die Gesamtkosten betragen CHF 267’000.
Daraus ergibt sich ein effektiver Einkaufskurs von 0.89.
Ein ungesicherter Kauf zu 0.86 würde CHF 258’000 kosten.
Die Mehrbelastung gegenüber dem Marktkauf beträgt damit CHF 9’000. Gegenüber einer vollständigen Fixierung bei 0.92 profitiert das Unternehmen hingegen um CHF 9’000.
Der Participating Forward ermöglicht somit eine begrenzte Beteiligung an günstigeren Kursen, ohne die Schutzwirkung für den vereinbarten Nominalbetrag aufzugeben.
Bei unserem Beispiel mit 50 % Partizipation und einem Kassakurs unterhalb des Strikes gilt vereinfacht:
Effektiver EUR-Einkaufskurs = 50 % × Strike + 50 % × Kassakurs
Liegt EUR/CHF bei 0.86, ergibt sich:
0.5 × 0.92 + 0.5 × 0.86 = 0.89
Das ist der wirtschaftliche Durchschnittskurs für den gesamten vereinbarten EUR-Bedarf.
Oberhalb des Strikes gilt dagegen der Schutzkurs von 0.92 für den gesamten Betrag.
Damit unterscheidet sich der Participating Forward deutlich von einem klassischen Termingeschäft, das keine weitere Teilnahme an günstigen Kursbewegungen erlaubt.
Die Formel bildet das vereinfachte Produktbeispiel ab. Etwaige Prämien, Spreads, Bankmargen und besondere Vertragsbedingungen sind nicht berücksichtigt.
Ein Participating Forward kann je nach Struktur ohne separate anfängliche Netto-Optionsprämie ausgestaltet werden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass er wirtschaftlich kostenlos ist.
Die Gegenleistung kann insbesondere darin bestehen, dass das Unternehmen auf einen Teil der günstigen Kursentwicklung verzichtet.
Ausserdem kann der vereinbarte Schutzkurs weniger attraktiv sein als der aktuelle gewöhnliche Terminkurs.
Ein CFO sollte deshalb nicht allein fragen, ob eine Prämienzahlung anfällt. Er sollte prüfen, wie sich die Gesamtkosten in verschiedenen Wechselkursszenarien gegenüber den Alternativen entwickeln.
Ein klassisches Devisentermingeschäft fixiert einen Wechselkurs für den gesamten vereinbarten Betrag. Dadurch entstehen klare Budgetkosten, allerdings ohne weitere Partizipation.
Eine gekaufte Vanilla Option bietet grundsätzlich Schutz und vollständige Partizipation an günstigeren Kursen. Dafür ist eine Optionsprämie zu bezahlen.
Der Participating Forward liegt hinsichtlich seiner Kurswirkung dazwischen: Er verbindet einen Schutzkurs mit einer festgelegten Partizipationsquote.
Welches Instrument wirtschaftlich sinnvoller ist, lässt sich nur anhand vergleichbarer Marktkonditionen und des tatsächlichen Fremdwährungsrisikos beurteilen.
Der Participating Forward ist in seiner wirtschaftlichen Grundlogik vergleichsweise gut verständlich. Dennoch bestehen Risiken.
Begrenzte Partizipation: Das Unternehmen nutzt günstige Wechselkursbewegungen nur teilweise.
Verbindliche Verpflichtungen: Je nach Struktur bestehen vertragliche Abnahme- oder Abwicklungsverpflichtungen, auch wenn sich das Grundgeschäft verändert.
Marktwert und Anpassungskosten: Eine vorzeitige Auflösung oder Anpassung kann einen negativen Marktwert beziehungsweise Kosten auslösen.
Unpassende Nominalbeträge: Wenn weniger Euro benötigt werden als ursprünglich geplant, kann eine Überabsicherung entstehen.
Preisstellung: Ein ungünstiger Schutz-Strike kann den wirtschaftlichen Nutzen der Partizipation verringern.
Besonders bei unsicheren Zahlungsbeträgen oder häufig verschobenen Lieferterminen sollte die Struktur sorgfältig geprüft werden.
Ein Participating Forward kann für ein Schweizer KMU prüfenswert sein, wenn ein ausreichend planbarer Fremdwährungsbedarf besteht und die Geschäftsleitung sowohl einen maximal akzeptierten Einkaufskurs als auch eine gewisse Teilnahme an günstigen Wechselkursentwicklungen wünscht.
Weniger geeignet ist die Struktur, wenn die Zahlungen stark schwanken oder das Unternehmen ausdrücklich eine vollständige Partizipation an sämtlichen günstigen Kursbewegungen benötigt.
Auch bei einem Participating Forward ist entscheidend, dass Nominalbetrag, Laufzeit und Schutzkurs zum Grundgeschäft passen.
Die grundsätzliche Produktauswahl sollte innerhalb der definierten Hedging-Policy und der gewünschten Absicherungsquote erfolgen.
Diese Fragen sind aussagekräftiger als die isolierte Betrachtung des angebotenen Strikes.
Nein.
Im beschriebenen Beispiel ist der gesamte vereinbarte Euro-Bedarf gegen einen Kursanstieg über den Schutz-Strike abgesichert.
Die 50 % beziehen sich darauf, wie stark das Unternehmen von einem günstigeren Wechselkurs unterhalb des Strikes profitiert.
Grundsätzlich ja. Die Partizipationsquote ist ein möglicher Strukturierungsparameter.
Eine andere Quote kann allerdings auch den Schutzkurs und die wirtschaftlichen Konditionen verändern.
Die vertraglichen Verpflichtungen bestehen grundsätzlich unabhängig vom Grundgeschäft.
Je nach Ausgestaltung kann eine Anpassung oder Auflösung erforderlich werden. Dadurch können Kosten entstehen.
Der Participating Forward kombiniert einen definierten Schutzkurs mit einer anteiligen Partizipation an günstigen Wechselkursbewegungen.
Im Beispiel mit EUR/CHF 0.92 und 50 % Partizipation bleibt der gesamte vereinbarte Euro-Bedarf gegen steigende Kurse geschützt. Bei einem fallenden Euro verbessert sich der effektive Einkaufskurs dagegen um die Hälfte der günstigen Kursdifferenz.
Für Schweizer KMU ist entscheidend, ob dieser Kompromiss zwischen Schutz und Flexibilität zum eigenen Währungsrisiko passt.
Weitere Instrumente erklären wir in unserem Überblick zu strukturierten Devisenlösungen. Für eine unabhängige Beurteilung der bestehenden Währungsstrategie bietet Alpinex ein FX-Assessment.