
Eigentlich müsste der Franken angesichts der geopolitischen Gemengelage zulegen.
Doch das Gegenteil ist der Fall: In den vergangenen Wochen hat die Schweizer Währung kontinuierlich an Boden verloren. Allein seit März hat der Franken zum Euro über 4% verloren.
Was ist los?
Noch zu Beginn des Irankriegs reagierte der Franken wie gewohnt als sicherer Hafen und wertete deutlich auf.
Inzwischen dominieren jedoch die Zinsdifferenzen.
Da die Inflation in der Schweiz nahe null liegt, hält die SNB an ihrer Nullzinspolitik fest. Im Ausland liegen die Zinsen deutlich höher und steigen weiter an. Anlagen in Euro und anderen Währungen werden dadurch attraktiver. Das schwächt den Franken.
Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Mit einem Leitzins von 0% ist der Franken die weltweit günstigste Finanzierungswährung für Zinsdifferenzgeschäfte (Carry Trades). Investoren verschulden sich dabei in Franken und investieren das Kapital in höher verzinste Währungen.
Lange hatte der japanische Yen diese Rolle inne. Weil die japanische Notenbank ihre Geldpolitik aber deutlich strafft, verliert der Yen an Attraktivität und der Franken rückt stärker in den Fokus.
Ist die Aufwärtsbewegung im EUR/CHF ausgereizt?
Ich denke noch nicht. Solange die Zinsdifferenzen sich weiter ausweiten, spricht wenig dafür, dass EUR/CHF kurzfristig wieder deutlich fällt. Gleichzeitig dürften nachlassende Spannungen in der Golfregion die Nachfrage nach dem Franken begrenzen. Das spricht vorerst für einen stabilen bis leicht höheren EUR/CHF-Kurs.