SNB-Chef Martin Schlegel kann es sich erlauben: Bei einer Inflation von gerade einmal 0,6 Prozent hat er keinen Grund zur Eile. Zwar bleibt die im März eingeführte «erhöhte Bereitschaft» für Deviseninterventionen aktiv, doch der Stress hat spürbar nachgelassen. Entspannung bringt auch die Devisenseite: EUR/CHF hat sich von den Tiefständen um 0.90 Anfang März erholt und sich um 0.92 eingependelt.
Dass die kurzfristigen Inflationsprognosen minimal nach oben korrigiert wurden, ist angesichts der Ausgangslage reine Kosmetik. Die geldpolitische Marschrichtung für 2026 ist damit zementiert: Sowohl eine Zinserhöhung als auch das Schreckgespenst der Negativzinsen scheinen für dieses Jahr vom Tisch.
Wie reagieren die Währungspaare unmittelbar nach dem Entscheid?
EUR/CHF: 0.9210
Der Euro hält sich heute Vormittag stabil über der 0.92er-Marke. Das liegt an einem klaren geldpolitischen Kontrast: Während die SNB eine längere Pause signalisiert, hat die EZB vergangene Woche erstmals seit drei Jahren die Zinsen wieder erhöht. Diese wachsende Zinsdifferenz nimmt dem Franken den unmittelbaren Aufwertungsdruck und stützt den Euro.
USD/CHF: 0.7995
Hier spielt die Musik auf der anderen Seite des Atlantiks. Nach dem gestrigen Fed-Entscheid (Zinsen unverändert bei 3.50-3.75%) blickt der Markt gespannt auf den Umbau unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh. Während die SNB pausiert, stellt sich das Fed auf ein strafferes Programm ein: Am Zinsmarkt wird bis Ende Jahr mit 2-3 weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank gerechnet.